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Interview: Bianca Classen (freie Illustratorin)

Bianca Classen lebt inzwischen seit 1999 im schönen Hamburg. Nach Abschluss ihres Studiums in San Francisco (Sommersemester Design) und Hamburg (Diplom als Illustrations- und Kommunikationsdesignerin) nahm sie 2006 ihre freiberufliche Tätigkeit als Illustratorin für Print- und Onlinemedien auf. Die Schwerpunkte ihrer Veröffentlichungen liegen im Magazin- und Editorialbereich. Zu ihren Kunden zählen zudem Buchverlage und Werbeagenturen. Sie arbeitet in einer Ateliergemeinschaft in Ottensen.  

Bianca, Du bist nun seit mehreren Jahren als freiberufliche Illustratorin aktiv. Woher stammt eigentlich Deine Affinität für das Zeichnen?
Zeichnen ist mein Ruhepol und war schon immer das Tor in meine eigene Welt. Hier kann ich Dinge entstehen lassen und sie formen wie sie mir gefallen. Auch finde ich es spannend, Texte visuell umzusetzen und dabei immer wieder in verschiedene Themenbereiche einzutauchen. Ich mag die unterschiedlichen Stimmungen in Bildern und die dazu passenden Ästhetiken. Ich mag die Abwechslung und den Prozess bei der Arbeit. Illustration bedeutet für mich, die konzeptionelle und intellektuelle Annäherung an verschiedenste Themen. Und dabei auf der Suche nach eigenen Worten – durch Nachdenken, Einarbeiten, Ausprobieren, Entdecken, Umsetzen und alles über den Haufen werfen – schließlich die Lösung zu finden.

Wie würdest Du selbst Deinen Stil beschreiben?
Ich illustriere filigran, verspielt und realistisch Motive aus Flora & Fauna, Reise, Food, Fashion und Wirtschaft, aber auch Szenen aus dem Leben.

Wie darf man sich einen typischen Arbeitstag von Dir vorstellen?
Im Grunde habe ich einen sehr geregelten Arbeitsalltag. Allein für die Kommunikation mit dem Kunden ist das sehr wichtig. Vor jedem Projektstart nehme ich mir Zeit für Bild- und Themenrecherche und sammele Inspiration auf verschiedenen Blogs im Netz. So lasse ich mich eine Weile treiben, bis ich ein Gefühl für das Thema gefunden habe und den Zugang zu meiner eigenen Übersetzung. Nachdem der Kunde die Skizze abgesegnet hat, beginne ich mit einer realistischen Zeichnung. Zu diesem Zeitpunkt schotte ich mich dann, wenn möglich, von Telefon und Emails ab und fokussiere mich total auf Blatt und Bleistift. Anschließend koloriere ich am Rechner. Ruhe für Muße beim Arbeiten ist mir wichtig – auch wenn es meist sehr schnell gehen muss.





Welche Techniken nutzt Du eigentlich?
Grundlage jeder Illustration ist immer eine realistische Bleistiftzeichnung. Ich mag daran, dass ich nicht viel brauche. Nur Papier und Stift. Diese Zeichnung wird dann gescannt und am Rechner koloriert. Hier habe ich reichliche Möglichkeiten zum Spielen. Durch vielfaches Hinzufügen und wieder löschen findet am Ende der richtige Tuschefleck zu den passenden Farben und Formen, die Strukturen fügen sich in die Zeichnung ein und das alles ergibt das fertige Bild.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Kurze Momente auf der Straße können mich berühren. Eine lustige Situation zwischen zwei Menschen oder zufälliges Zusammentreffen mit einer fremden Person. Selbst in der Großstadt begegnen mir Menschen auf meinen festen Routen immer wieder. Sie gehen zum selben Bäcker oder stehen immer zur gleichen Zeit an der Bushaltestelle. Ich mag es, zu beobachten und mache mir dann ein Bild. Ein lustiges, ungewöhnliches oder ein trauriges Gesicht kann mich dabei berühren. Besonders auffällig finde ich es, wenn sich Emotionen mit den Jahren in der Gesichtsmimik einzubrennen scheinen. Über einen entrüsteten Ausdruck muss ich dann beispielsweise schmunzeln.

Was sind Deine Lieblingsmotive?
Florale Motive sind sehr dankbar. Daran arbeite ich gern. Portraits finde ich auch toll. Und Landkarten mag ich, weil ich während des Zeichnens gedanklich in die verschiedenen Regionen reisen darf.

Gibt es Trends und Entwicklungen, die Du aktuell im Bereich Illustration spürst?
Es gibt eine große Vielfalt an Illustrationsstilen, die zu sehr unterschiedlichen Zwecken entstehen und nebeneinander existieren. Das war zwar schon immer so, doch durch die zunehmende Digitalisierung und einhergehende Verbreitung auf Plattformen wie Blogs, Websites oder in Apps bieten sich mir viel mehr Zugriffsmöglichkeiten. Dadurch erweitert sich der Inspirationsrahmen und ist internationaler geworden. Während mich früher der Illustrationsstil der Uni sehr geprägt hat, mit den Ikonen, die als beispielhaft galten, habe ich heute ganz unkomplizierten Zugriff auf viel mehr Stile und Sichtweisen. Für mich persönlich erweitert das den Rahmen im Positivem.

Auf welche Arbeiten bist Du persönlich ganz besonders stolz?
Ich mag nach wie vor meine Bachblütenillustrationen für das »Jahreshoroskop 2011« in BRIGITTE sehr gern. Auf dem Weg zur Umsetzung des Projekts habe ich meinen eigenen Zugang zur digitalen Illustration gefunden, der die aktuellen digitalen Möglichkeiten mit meinen realistischen Zeichnungen auf Papier kombiniert. Die Grundlage all meiner heutigen Arbeiten.



entstammt aus: „Das Heimat-Kochbuch“, Hölker Verlag, Erscheinungstermin 01.08.2016


entstammt aus: „Das Heimat-Kochbuch“, Hölker Verlag, Erscheinungstermin 01.08.2016


entstammt aus: „Das Heimat-Kochbuch“, Hölker Verlag, Erscheinungstermin 01.08.2016

Vervollständige bitte den Satz: Man sollte Bianca Classen beauftragen, wenn …
… man eine Illustratorin mit einem guten zeichnerischen Fundament sucht, die das relevante Projekt in einem filigranen, spielerischen und realistischen Stil bildlich umsetzt, mit Motiven aus zahlreichen Bereichen, von Frauenthemen über Wirtschaft, Historie und Wissen, bis hin zu Porträts und Landkarten – und die zudem großen Spaß daran hat, mit dem Kunden gemeinsam ein gutes Produkt zu entwickeln.

Kannst Du uns einige Webseiten nennen, die Du regelmäßig oder häufig besuchst?
Notcot.org, thisiscolossal.com, pinterest.com

Was schätzst Du am Standort Hamburg?
In Hamburgs Hafen lasse ich mir gern frischen Wind aus der weiten Welt um die Nase pusten. Damit bleibt seit 16 Jahren für mich alles anders und ich kann frei atmen. Das liebe ich, und das passt zu mir.

Vielen Dank!
  
  

  
  
Links:
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