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Interview: Samson J. Goetze (freier Illustrator)

SAMSON ist gebürtiger Kieler und absolvierte 2012 sein Studium an der Hamburger Technischen Kunstschule mit Auszeichnung. Danach wechselte er direkt in die Selbstständigkeit und ist seitdem für Agenturen, Magazine und Bands in den Bereichen Illustration, Animation und Design tätig. In seiner Freizeit arbeitet er verbissen an der Verschmelzung von Fotorealismus und Comic. Wir haben ihn für HAMBURGS KREATIVE 2015/2016 zum Gespräch gebeten.   

Samson, woher stammt eigentlich Deine Affinität für das Zeichnen?
Aus überbordender Fantasie und zu wenig Freunden in der Kindheit, an denen ich dies hätte abspielen können. Wobei der Satz irgendwie nach Doktorspiele klingt … Hm.

Wie würdest Du selbst Deinen Stil beschreiben?
Ein Dozent sagte mir mal, ich wäre ein Chamäleon, weil ich nahezu jeden Malstil- und Zeichenstil imitieren könne. Ein Studienkollege beschrieb mich als Mercedes unter den Illustratoren, weil meine Bilder immer sehr plastisch und dynamisch wirken. Das Blut, das mir da jeweils in den Kopf schoss, habe ich mittlerweile wieder abpumpen können. Lässt man die Metaphern weg, denke ich aber, dass sie mich damit gut beschrieben haben. Oft sind meine Bilder aber auch einfach nur furchtbar albern.

Wie darf man sich einen typischen Arbeitstag von Dir vorstellen?
Puh … Schwer, ich habe den Job ja gerade gewählt um keine typischen Arbeitstage zu haben. Normalerweise fahre ich in mein Büro bei M45, einer kleinen reizenden Kieler Agentur. Oder aber ich arbeite zu Hause, je nach dem wie ich lustig bin. Und dann wird gemalt, gemalt und gemalt. Ab und zu schaut jemand rein und dann wird philosophiert und gequatscht und es entstehen so verrückte Sachen wie Musik-Festivals, z. B. das „Kalifornia Crossing“, die man gemeinsam hochzieht.






Welche Techniken nutzt Du eigentlich?
Ich arbeite mittlerweile fast ausschließlich digital. Dagegen habe ich mich lange gewehrt, aber analoge Bilder kann oder will dir heute keiner mehr bezahlen. Dennoch male ich digital nach wie vor so, wie ich analog gemalt habe – es sei denn der Kunde wünscht ein anderes Verfahren. Ich arbeite mit PS. Dabei benutze ich Brushes, die echten Pinsel bestmöglich nachempfunden sind.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Ich studiere ständig die Techniken und Stile meiner Kollegen, so wie andere Zeitung lesen. Ansonsten die Lebensbereiche wo sich Menschen herrlich daneben benehmen – also Pubs, Pornos und Politik.

Was sind Deine Lieblingsmotive?
Menschen. Am liebsten mit Falten. Ich liebe Falten. Man muss die Gesichter knautschen und kneten wollen. Darum male ich am liebsten politische Karikaturen. Politiker knautsche ich besonders gerne.

Gibt es Trends und Entwicklungen, die Du aktuell im Bereich Illustration spürst?
An und für sich sind derzeit gute Zeiten für Illustratoren – durch die Hipster- und Vintagebewegung ist wieder ein großes Bedürfnis nach Kreativität und Handgemachtem in der Werbung und Mode entstanden. Wo ich hingegen völlig ratlos bin sind die Printmedien … Ich habe Jason Seiler auf der IFA kennengelernt und wir sprachen über Titelbildgestaltung, mit der er ja sein Hauptbrot verdient. Und wir mussten überrascht feststellen: Wo es bei den Amis ab einem bestimmten intellektuellem Niveau zum guten Ton gehört, Karikaturen auf die Titelseite zu drucken, kommen die deutschen Kollegen selten über Stockphoto-Niveau hinaus. CICERO und ab und zu auch DER SPIEGEL bilden da eine angenehme Ausnahme. Woran das liegt ist mir schleierhaft. Ich vermute, es ist die Angst nicht seriös genug zu erscheinen. Diese Angst hängt ja wie ein Damoklesschwert über den Deutschen. Eine witzige Methaper, vor dem Hintergrund der aktuellen Griechenlandkrise, stelle ich grade fest. Könnte man direkt wieder eine Karikatur draus machen.

Auf welche Arbeiten bist Du persönlich ganz besonders stolz?
Ich bin immer stolz, wenn etwas fertig und veröffentlicht ist, da ich an jedem Bild mit Hingabe und einem fürchterlichem Hang zum Perfektionismus sitze. Wenn ich merke, dass ich für ein Motiv diese Hingabe nicht werde aufbringen können, würde ich es gar nicht malen. Sonst kann ich mich auch ans Fließband stellen. Oder Klempner werden.






Vervollständige bitte den Satz: Man sollte Samson J. Goetze beauftragen, wenn …
… man nicht BILD oder Bundeswehr heißt!

Gibt es eine bestimmte Marke, für die Du liebend gerne mal gestalterisch aktiv werden würdest?
Das Schmitz Tivoli hatte bei mir mal angefragt. Ist leider nix geworden. Schade, ich mag das Tivoli sehr …

Kannst Du uns einige Webseiten nennen, die Du regelmäßig oder häufig besuchst?
Behance, Pinterest und „The Big Picture“ auf Boston.com.

Was schätzst Du beruflich und privat an Hamburg?
Da fällt bei den Meisten die Antwort ziemlich gleich aus und ich schließe mich ihr an. Auf jeden Fall aber ist Hamburg für mich aufgrund der kulturellen Vielfalt eine angenehme Alternative zu dem kleinen charmanten Provinznest, in das es mich grad wieder zurückgezogen hat. Man kann sagen ich habe jetzt zwei Heimaten.

Vielen Dank!
  
  

  
  
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