100% Hamburg.

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Karel J. Golta: Hamburg, sei mutig!

Für die aktuelle HAMBURGS KREATIVE 2015/2016-Ausgabe hat Karel J. Golta, Gründer und Geschäftsführer von Indeed, den wirklich lesenswerten Artikel »Hamburg, sei mutig!« verfasst, den wir euch im Blog nun nicht länger vorenthalten möchten. Viel Spaß beim lesen!

1997 behauptete das Abendblatt, dass Hamburg die heimliche Designhauptstadt Deutschlands sei. Über 600 Designerinnen und Designer sollen demnach vor 18 Jahren in der Hansestadt aktiv gewesen sein. Der Kreativwirtschaftsbericht 2012 stützt diese Aussage 15 Jahre später mit Zahlen und Fakten: Mit circa 14.000 Erwerbstätigen und einem Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro ist Hamburg vor Berlin und München ungeschlagen Deutschlands Designhauptstadt! Hallo!? Wo ist der Champagner, wo die Mega-PR-Maschinerie? Der Orden, die Siegel, die Lobeshymnen? Hamburg wird doch in Sachen Design in einem Zug mit London, Barcelona, Kopenhagen, New York oder Hong Kong genannt. Oder etwa nicht?

Das Heimliche und Leise ist leider geblieben. Und, nein, kein Hamburger Senator, aktiv oder passiv, kann sich hier auf die Schulter klopfen. Denn dieser enorme Wachstum, diese grandiose wirtschaftliche Leistung ist nicht wegen der Hamburger Politik zustande gekommen, sondern trotz derselben! Und obwohl dieser Verdienst ausschließlich den in Hamburg lebenden Designer/innen zuzuschreiben ist und der Senat diese geilste Steilvorlage aller Zeiten sauber ins Eck hätte versenken können, spielt Hamburg im globalen Ranking der Designstädte in der Kreisliga. Na vielen Dank auch!

Gestatten, ich bin Schweizer. Und nein, Diplomatie ist nicht mein Ding. Deshalb bin ich auch vor gut 20 Jahren ausgewandert, habe auf drei Kontinenten gelebt und gearbeitet und mich dann in Hamburg verliebt. Warum?

Hamburg ist ein klassischer Hidden Champion. Erstens Stadtflughafen – unbezahlbar. Dann: die Nähe zum Meer, das viele Grün, die schönen Frauen, die nicht existente Sperrstunde, der Hafen, die angenehme Internationalität, ja, und auch das Hanseatische. Es braucht Zeit, sich in die Herzen der Hamburger zu bringen, aber dann wird man reich belohnt. Auf der anderen Seite ist gerade dieses Hanseatische auch ein echter Klotz am Bein. Als Hafenstadt glaubt man, nur eins zu können, nämlich Schifffahrt bzw. Logistik und Handel. Und überhaupt: Bloß keine Veränderung! Wie wenig sich die Stadt in den letzten 18 Jahren gewandelt hat, habe ich selbst erlebt. Wie ein Dinosaurier und noch viel langsamer als der Rest der Republik bewegt sich Hamburg. Zuerst immer mal abwarten, schauen, wie die anderen damit klarkommen. Im Innovationsmanagement spricht man von First Movern (eher Berlin) oder Smart Followern (München). Hamburg? Nichts davon. Und das hat auf jeden Fall nichts mit Kreativität zu tun. Denn diese würde bedeuten, keine Angst vor Neuem und vor Veränderung zu haben.

Übrigens hat sich das Anfang 2000 auch noch in vielen hanseatischen Firmen widergespiegelt. Interessant ist jedoch: Diese haben sich verändert. Und warum? Weil sie im globalen Wettbewerb mithalten mussten. Was das Thema Design betrifft, hat Hamburg jedoch den Anschluss an Berlin und München verloren. Und wenn wir nicht aufpassen, bald auch an den Rest von Europa. Leider ist Masse nicht alles, sondern Klasse. Hamburg fehlt es an eigener Innovationsfähigkeit und einer eigenen Innovationsidentität. Denn Hamburg hat nicht verstanden, wie wichtig das Thema Design war, ist und sein wird. Über 20% Wachstum Jahr für Jahr, da kann keine Branche mithalten. Im Schatten dieser Unwissenheit ist ein großes Pflänzchen gewachsen. Aber für einen gesunden Baum bräuchte es jetzt mehr Platz, Licht und Präsenz.

Hamburg fehlt es an eigener Innovationsfähigkeit und einer eigenen Innovationsidentität. Denn Hamburg hat nicht verstanden, wie wichtig das Thema Design war, ist und sein wird. Über 20% Wachstum Jahr für Jahr, da kann keine Branche mithalten. Im Schatten dieser Unwissenheit ist ein großes Pflänzchen gewachsen. Aber für einen gesunden Baum bräuchte es jetzt mehr Platz, Licht und Präsenz.

Genug der Kritik. Wo ist der Weg nach vorne? Wie lässt sich die Designwirtschaft bewusst für die Innovationsfähigkeit Hamburgs einsetzen?

1.) Hamburg muss verstehen: Design ist ein Perpetuum Mobile in Sachen Wertegestaltung und –entwicklung. Good Design means Business. Es macht aus einer Erfindung eine Innovation, denn nur, wenn etwas Neues im Auge eines Nutzers einen Wert hat, ist es innovativ. Dieses Verständnis ist der erste Schritt zu einer neuen Selbstwahrnehmung.

2.) Hamburg sollte als erstes Bundesland Design Thinking in den Behörden schulen lassen und alle Dienste am Bürger im wörtlichen Sinne von Service Design sukzessive neu gestalten. Somit würde die eigene Innovationsfähigkeit der Stadt gesteigert werden.

3.) Hamburg muss den Titel Designhauptstadt stolz nach außen tragen und pro-aktiv verteidigen. Nicht nur in Deutschland, nein, in der ganzen Welt. Denn weltweit wird Design mit Innovativität gleichgesetzt. Dies würde die eigene Innovationsidentität stärken und auch in der Politik verankern.

4.) In Kooperation mit der Handelskammer sollen Unternehmen in Hamburg und Norddeutschland aufgeklärt und gefördert werden, mit dem Ziel, eigene Designabteilungen aufzubauen. Denn Design muss als Unternehmensdisziplin in allen Unternehmen verankert werden. Dadurch wird Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit langfristig auf globalem Niveau ausgebaut.

Mehr ist gar nicht nötig. Denn aus eigener Erfahrung: Hamburg ist in vielerlei Hinsicht attraktiver als Barcelona, London, Kopenhagen, Zürich oder New York. Ein Hidden Champion muss eines Tages aus seinem Schatten treten und der Welt zeigen, was er kann. Falls nicht, wird er zum ewig Zweitplatzierten und Verlierer.

Hamburg, es wird Zeit ins helle Licht der Weltöffentlichkeit zu treten! Seit 15 Jahren propagiere ich als Ausländer weltweit deine Vorteile und profitiere zugleich davon. Mittels Design könnte Hamburg, und sogar ganz Norddeutschland, zum weltweit größten Innovationshub werden. Ab jetzt gilt der Blick nach vorne, ohne Zögern und Zaudern. Dem Mutigen gehört die Welt!
  
  

  
  
Karel J. Golta ist Gründer und Geschäftsführer von Indeed Innovation. In seinem Unternehmen, spezialisiert auf Innovationsberatung, Industriedesign und Engineering, geht es um die Ganzheitlichkeit in der Entwicklung: Hochwertiges Design wird mit wirtschaftlichen und technologischen Aspekten in Einklang gebracht und führt so zu Marktfähigkeit, technologischer Machbarkeit und Gebrauchtstauglichkeit.
  
  

  
  
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Credit (Foto ganz oben): Sven Heinrich
  
  

  
  
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