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Interview: Jan Berg (freier Art Direktor)

Jan Berg. Geboren in Stade. Studierte an der Kunstschule Alsterdamm in Hamburg. Insgesamt knapp 5 Jahre festangestellt bei Philipp und Keuntje und Jung von Matt in Hamburg. Seit 2011 frei unterwegs. Wir haben Jan für die HAMBURGS KREATIVE 2014-Ausgabe zum Interview gebeten, das Ergebnis gibt es nun auch im Blog zu lesen.  

Jan, woher stammt eigentlich Deine Leidenschaft für Werbung und Design?
Der klassische Weg: Im Kindergarten gut mit Buntstiften gekonnt, die Pubertät mit Kritzeln bewältigt, Photoshop Command and Conquer (das war mal ein Computerspiel) vorgezogen, Abitur mit Kunst erschummelt, erfolgreich eine Kunstschule absolviert, Praktikum in der Werbung gemacht, bumsfallera: Art Direktor.

Du arbeitest seit mehreren Jahren erfolgreich als freier Art Direktor für Agenturen und einige Direktkunden. Weshalb als Freelancer und nicht in Festanstellung?
Die Antwort deckt sich mit den anderen Freelance-Kollegen: Projekte selber aussuchen, bessere Bezahlung, mehr Abwechslung, mehr Zeit für Herzensangelegenheiten. Außerdem ist jeder Freelancer auch gerne mal Faulancer. Kurz: Wegen „Free“ in Freelancer.



Wie sieht bei Dir ein typischer Arbeitstag aus?
Den gibt es so nicht. Es kommt total auf die Buchung oder den Job an. Bei einer Buchung in einer Agentur geht’s vielleicht direkt morgens los, dafür mit obligatorischer Mittagspause und am Abend – wenn’s passt – rechtzeitiger Heimkehr. Kann ich bei einem Job von zu Hause aus die Zeit selber einteilen, verdaddel’ ich auch schon mal den halben Tag im Netz oder für Zettelkram und hau’ abends bis in die Nacht noch mal rein.

Was ist Dein Anspruch bei der täglichen Arbeit?
Ist es ungewöhnlich? Ist es unerwartet? Ist es neu? Ist es witzig, clever oder bewegend? Ist es schön? Ist es einfach? Ist es relevant? Löst es das Problem? Ist das alles gegeben, bin ich auf einem guten Weg.

Gibt es Arbeiten von Dir, auf die Du ganz besonders stolz bist?
Im Grunde versuche ich, jedes Projekt so zu gestalten, dass man am Ende „ganz besonders stolz“ darauf sein kann. Aber leider läuft es nicht immer auch so, wie man sich’s vorstellt. Dann müssen Kompromisse her. Und Kompromisse machen einen nur selten „ganz besonders stolz“. Da bin ich bei Karl Lagerfeld’s Statement: „No second option!“. Toller Kunde, tolles Produkt, tolle Zusammenarbeit mit tollen Leuten für tolle Resultate mit ganz wenig Kompromissen, so habe ich das Projekt rundum followfish für Leagas Delaney erleben dürfen. Und deswegen bin ich darauf auch „ganz besonders stolz“.


Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Von allem.

Welche Trends und Entwicklungen spürst Du aktuell in der Werbung und wie bewertest Du diese persönlich?
Zur Zeit denken wir in Smartphones, Tablets und Desktop Computern und tragen famose 3D-Brillen. Facebook ist so unglaublich überfrachtet und sieht immer noch aus wie eine Testversion. Aber wenn man diese durchaus spannende technische Erneuerungsphase halbwegs verdaut hat, wird man sich vielleicht wieder auf das Produkt besinnen. Welcher Aspekt eines Produkts ist für die Menschen relevant und damit erzählenswert? Ohne Idee geht’s halt nicht. Das war früher so und ist heute genauso. Im Kern hat sich nicht viel verändert, nur das Drumherum verändert sich ständig. Ich schaue mir gerne alles an und picke mir raus, was für den momentanen Job nützlich ist. Aber irgendwelchen Trends hinterher zu hechten, bringt einen womöglich nicht weiter. Es ist wie so oft: Nicht so viel reden, einfach mal machen …

Gibt es eine Marke, für die Du liebend gerne mal aktiv werden würdest?
Für Greenpeace oder Amnesty International würde ich gerne eine App entwickeln, die die Welt rettet. Und für irgendein Bier – Guinness oder sowas – einen richtig großen Werbespot produzieren, der alle Menschen dazu verleitet, die Weltrettung durch die Greenpeace- oder Amnesty-App mit diesem Bier zu feiern.




Bitte vervollständige: Man sollte Jan Berg beauftragen, wenn …
… man einen Jan Berg braucht.

Wie siehst Du die deutsche Kreativbranche (auch im internationalen Vergleich)?
Och, warum immer einen Wettbewerb daraus machen? Es gibt eben diese exzellenten Arbeiten, die einen neidisch machen oder einfach Freude bereiten. Ob die jetzt aus Deutschland oder einem anderen Land kommen, ist mir wumpe. Wenn es darum geht, ungewöhnliche Lösungen für äußerst unterschiedlich komplexe Probleme zu finden, zählt nur „funktioniert“ oder „funktioniert nicht“. Dass es dabei aufgrund der Mentalitäten zu verschiedenen Herangehensweisen kommt, ist nur natürlich und macht gerade den Reiz aus. Das Ganze in eine internationale Rangliste zu packen, macht eigentlich gar keinen Sinn.

Was schätzt Du sowohl beruflich als auch privat am Standort Hamburg?
Obwohl Hamburg eine große Stadt ist, ist es ein kleines Dorf.

Vielen Dank für das Gespräch.
  
  

  
  
Links:
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