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Interview: Im Gespräch mit der Illustratorin Anja Stiehler

Anja Stiehler ist gebürtige Leipzigerin und studierte ab 2002 an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg Design mit Schwerpunkt Illustration. Schon während dieser Zeit begann sie mit ersten Aufträgen im Buchbereich und arbeitet seit 2007 als freie Illustratorin in unterschiedlichen Bereichen, vorwiegend jedoch für Magazine und Zeitungen. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Hamburg. 2011 erhielt sie das Stipendium der Hans-Meid-Stiftung. Wir haben mit Anja im Rahmen der HAMBURGS KREATIVE 2014-Ausgabe gesprochen.  

Anja, woher stammt eigentlich Deine Affinität für das Zeichnen?
Der Klassiker: schon als Kind habe ich leidenschaftlich gerne gezeichnet, gebastelt und mir etwas ausgedacht. Der Zustand, sich ganz in einer Sache zu verlieren und konzentriert abzutauchen, ist wunderbar. Das habe ich damals schon wahrgenommen. Als ich nach 6 Jahren den Ballett-unterricht an den Nagel hängte, ging ich zum Zeichenkurs. Dort war ich dann wirklich in meinem Element.

Wie würdest Du selbst Deinen Stil beschreiben?
Die Basis ist fast immer zeichnerisch und dabei vorwiegend realistisch. Das versuche ich mit graphischen Elementen oder auch anderen Techniken zu verbinden.




Welche Techniken nutzst Du?
Nachdem ich Teile meiner Illustration mit Blei- oder Buntstift bzw. mit dem Pinsel gezeichnet habe, findet die Komposition und Kolloration meistens am Rechner statt. Mir ist wichtig, dass mein Bild, obwohl es digital entsteht, eine haptische Anmutung hat. Aus diesem Grund stelle ich meine Farbflächen und Strukturen vorwiegend per Hand mit Aquarellfarbe, Gouache, Acryl, Buntstiften oder sonstigen Hilfsmitteln her und bin ständig auf der Suche nach alten, gemusterten oder farbigen Papieren. Mittlerweile kann ich auf einen abwechslungsreichen digitalen Fundus zurückgreifen. Ab und zu male ich ganz klassisch mit Pinsel und Farbe. Ansonsten probiere ich gerne etwas Neues aus. Ein Buchprojekt habe ich beispielsweise mit einer Mischung aus Scherenschnitten, Zeichnungen und strukturierten Flächen umgesetzt.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Inspiration kommt beim Sehen. Ich freue mich, wenn ich zufällig auf schöne Bilder stoße. Das kann in Büchern, Zeitschriften, im Internet, natürlich im Museum oder auch in einem Film sein. Besonders gut gefallen mir alte Fotos und Plakate. Ich liebe es, Menschen zu beobachten.

Was sind Deine Lieblingsmotive?
Mein Lieblingsmotiv ist der Mensch. Aber auch Tiere und Pflanzen machen mir großen Spaß und sind immer wieder überraschend. Je graphischer die Formen, desto lieber.

Welche Trends und Entwicklungen spürst Du im Bereich „Illustration“?
Stilistisch kann ich keinen speziellen Trend erkennen. Durch neue und bessere technische Möglichkeiten erstellen viele Kollegen ihre Bilder ausschließlich am Rechner, was eine eigene Optik mit sich bringt. Die herkömmlichen Techniken finden aber weiterhin breite Anwendung. Es existiert einfach wahnsinnig viel nebeneinander und das scheint wunderbar zu funktionieren. Natürlich gibt es in den letzten Jahren auch im Illustrationsbereich eine zunehmende Nachfrage für Apps oder andere digitale Anwendungen. Solange Printmedien, Bücher und Originalgrafiken dadurch nicht aussterben, finde ich diese Entwicklung folgerichtig. Die Zeit bleibt eben nicht stehen.




Kannst Du uns Arbeiten nennen, auf die Du ganz besonders stolz bist?
2011 habe ich mit zwei freien Buchprojekten ein Stipendium der Hans-Meid-Stiftung erhalten. Über diese Auszeichnung habe ich mich natürlich riesig gefreut. Im Jobbereich gibt es immer wieder Aufträge von Magazinkunden oder Agenturen, die besonders kurzfristig oder nicht so einfach zu lösen sind. Wenn ich mit meiner Arbeit dann schnell den richtigen Punkt treffe und wir kurzfristig zu einem guten Ergebnis kommen, macht mich das froh.

Bitte vervollständige: Man sollte Anja Stiehler beauftragen, wenn …
… meine Arbeit stilistisch gefällt und eine unkomplizierte, gute Zusammenarbeit gewünscht wird.

Gibt es eine Marke, für die Du liebend gerne gestalterisch aktiv werden würdest?
Ich fände es toll, für eine Band ein Album (also CD mit Booklet und allem drumherum) zu gestalten. Die eigene Arbeit nicht auf Papier sondern in Verbindung mit einem dreidimensionalen Medium zu sehen, fände ich sehr reizvoll. Deshalb hätte ich auch große Lust, z.B. Illustrationen für eine Porzellanserie anzufertigen. Eine konkrete Marke habe ich dabei aber nicht im Sinn.

Was schätzst Du sowohl beruflich als auch privat am Standort Hamburg?
Große Städte mit vielen Menschen und einem reichhaltigen kulturellen Angebot finde ich toll. Die Elbe, der Hafen und die Nähe zum Meer machen Hamburg für mich jedoch besonders attraktiv. Viele meiner Freunde sind mir vom Studium erhalten geblieben, so dass ich ein kreatives Umfeld habe, in dem ich mich jederzeit auch über berufliche Fragen austauschen kann. Als Medienstandort führt mich Hamburg häufiger mit Menschen aus artverwandten Berufen zusammen.

Vielen Dank für das Gespräch.
  
  

  
  
Links:
→   www.anjastiehler.de
→   www.jutta-fricke.de
→   zum Onlineprofil
  
  

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