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Interview: Jeannette Bergen (freie Kreative)

Jeannette Bergen hat ihre Karriere 1998 bei Springer & Jacoby in Hamburg als Art Directorin begonnen, nach einem Abstecher in die Dependance in Amsterdam, arbeitet sie seit 2005 als freie Kreative für nationale und internationale Werbe-, Online- und Designagenturen sowie mittelständische und große Unternehmen. Im Laufe von 15 Jahren in der Werbung hat sie 50 Awards bei internationalen Wettbewerben gewonnen. Wir haben mit Jeannette im Rahmen der HAMBURGS KREATIVE 2013-Ausgabe gesprochen.  

Jeannette, woher stammt Deine Affinität für Gestaltung eigentlich?
Ich habe mich schon immer für jede Form von Gestaltung interessiert. Als Kind habe ich lieber Querschnitte von Häusern mit gewagter Statik gemalt, als 1000 Teile zu puzzeln; meinen Monchichi zum „Modeschöpfer“ erkoren, als Ponys zu striegeln oder selbstgeschriebene Pixi-Bücher in Kleinstauflage illustriert, statt Ballett zu hüpfen. Irgendwas davon musste wohl einfach hängen bleiben.

Du arbeitest inzwischen seit 2005 erfolgreich als freie Kreative für Agenturen und Direktkunden. Weshalb auf Freelance-Basis und nicht in Festanstellung?
Nach knapp 7 Jahren bei Springer & Jacoby in Hamburg und Amsterdam habe ich eigentlich erstmal nur eine kleine Pause und eine Veränderung für mich gesucht. Wohin die Werbereise gehen sollte, wollte ich als Freelancer herausfinden. Bisher ist es beim Weg als Ziel geblieben, denn ich schätze es sehr, selbstbestimmt zu arbeiten, neue Menschen kennenzulernen und mag die Abwechslung hinsichtlich Marken, Medien und Orten.



In Deiner beruflichen Laufbahn hast Du über die Jahre diverse Lösungen für unterschiedlichste Kunden entwickelt. Kannst Du uns ein Beispiel-Projekt nennen und beschreiben, auf das Du ganz besonders stolz bist?
Ein Highlight der letzten Jahre war für mich sicher der Auftrag eine komplett neue CI für Mexx in Amsterdam zu entwickeln, die weltweit eingesetzt wird. Erstmal war es sehr spannend, ein internationales Modeunternehmen von innen kennenzulernen und zudem war es sehr effektiv direkt mit den Entscheidern zusammen zu arbeiten. Mal wieder eine Zeit im Amsterdam zu leben, kam als Sahnehäubchen mit Hagelslag oben drauf.

Welche Trends und Entwicklungen spürst Du aktuell im Bereich Werbung/Design und wie bewertest Du diese persönlich?
Um es kurz mit Loriot zu sagen: „Früher war mehr Lametta“. Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche sind sicher kein neuer Trend, fallen mir aber in letzter Zeit in verschiedenen Bereichen verstärkt auf. Online wird – nicht zuletzt, um eine Kompatibilität von immer vielfältigeren Devices zu gewährleisten – auf einfachere, übersichtliche Lösungen ohne viel Flash-Deko und Augenpulver gesetzt. Schön und einfach sind viele One-Page-Websites, die in diesem Zuge eine Renaissance erleben. In der Mode setzt schon seit Jahren COS ein klares Zeichen für Minimalismus, und auch die visuelle Sprache von mehreren Weltkonzernen wird zunehmend puristischer. So wurden z. B. kürzlich das Microsoft- und das Starbucks-Logo überarbeitet. Der Trend geht auch hier weg von Verläufen, Schatten oder Pseudo-3D und hin zu grafischem, einfachen Design.
Eine einfache Idee ist eben meist die beste.

Gibt es eine bestimmte Marke, für die Du gerne mal aktiv werden würdest? Falls ja, für welche und weshalb?
Meist arbeite ich für Agenturen, teilweise auch direkt für große Konzerne. Interessant wäre auch, kleinere Kunden direkt zu betreuen – bei Bedarf unter Einsatz meines Netzwerkes. Wichtiger als eine bestimmte Marke sind mir die Menschen, die dahinter stecken und was man gemeinsam erreichen kann.

Bitte vervollständige den folgenden Satz: Eine Agentur oder ein Unternehmen sollte Jeannette Bergen beauftragen, wenn …
… sie/es eine kreative Lösung sucht, die funktioniert und dabei noch unverschämt gut aussieht.


Wie empfindest Du die deutsche Kreativbranche? Gerne auch im internationalen Vergleich.
Wenn ich mir die laufenden Kampagnen anschaue, fällt mir wenig Neues und Mutiges auf. Jede Bank, Versicherung oder jeder Supermarkt gibt vor, mich zu verstehen, will nachhaltig, ehrlich und irgendwie mein Freund sein. Das ist nett. Und langweilig. Der internationale Vergleich zielt sicher auf das Kräftemessen bei den Awardshows ab. Das ist eine hübsche, bunte Parallelwelt, deren Währung„Awards“ noch immer eine sichere Bank sind. Spannend finde ich nun, ob die Abkehr von den Awards, den einige große Agenturen zumindest zeitweise wagen, mehr Energie und Mut in den Werbealltag bringen.

Gibt es einen aktuellen Case, den Du für herausragend oder sogar richtungsweisend hältst?
Eine kleine, sehr zeitgemäße Idee, die zum Nachdenken anregt und Gutes tut, ist mir heute morgen begegnet: TimeSpend, eine von gürtlerbachmann entwickelte App für SOS-Kinderdorf e.V., wandelt meine Zeit auf Facebook in eine Geldspende um. So wird ein Social Network wirklich sozial.

Was schätzst Du beruflich, aber auch privat am Standort Hamburg?
Wo sonst bin ich mit dem Fahrrad innerhalb von nur einer halben Stunde bei den erfolgreichsten Agenturen und besten Kreativen Deutschlands? Dass der Weg an Fleeten, der Alster und Elbe vorbeiführt, ist dabei auch nicht zu verachten.

Vielen Dank für das Gespräch.
  
  

  
  
Links:
→   www.jeannette-bergen.de
→   zum Onlineprofil
  
  

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