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Andreas Homann: Redesign der SZENE HAMBURG

Zum 40-jährigen Jubiläum der SZENE HAMBURG durfte Andreas Homann dem Hamburger Stadtmagazin ein umfangreiches Redesign verpassen: Neuer Titel, neuer Inhalt, neue Struktur, neuer Seitenaufbau, neue Typografie und zudem ein überarbeitetes Logo. Seit gestern gibt es das Heft im frischen Look nun am Kiosk.  

Das Abendblatt nannte die SZENE HAMBURG kürzlich die »Mutter aller Stadtmagazine«: Ihre 40-jährige Tradition sowie das Hinwenden zu großen Geschichten möchte die SZENE nun wiederbeleben, indem sie sich auf ihre einstigen Stärken besinnt – sowohl redaktionell als auch optisch. Im umfangreichen Archiv der SZENE konnte Gestalter Andreas Homann sich in aller Ruhe umschauen und ist vor allem in den Ausgaben aus den 80er Jahren visuell fündig geworden: ein strenges Spaltenraster, dünne Spaltenlinien sowie fettere Linien zur Betonung und Gliederung von Texten, die heute wieder zeitlos modern wirken. Aufbauend auf diesen Textspalten kommt im neuen Design eine zusätzliche Spalte zum Einsatz, die allerdings »Textverbot« hat. Sie wird ab sofort als Gestaltungsmittel eingesetzt, um Texte zu gliedern und durch Weißraum die nötige »Luft zum Atmen« zu gewinnen. Zusätzlich gibt sie den RedakteurInnen die Möglichkeit ergänzende Informationen oder Auszüge hervorzuheben.





Die Typografie.
Typografie spielt in der neuen SZENE HAMBURG eine große Rolle. Formal sind es typografische Anklänge aus den Glanzzeiten der Magazingestaltung – von »Twen« aus den Sechzigern bis »The Face« aus den Achtzigern. Die Typografie soll auch lange Lesestrecken ohne Bebilderung attraktiv werden lassen und die LeserInnen gezielt durch das Heft führen – bei großzügigen Strecken wie bei sehr kleinteiligen Seiten.
Die Typografie der neuen SZENE HAMBURG ist expressiv. Sie nimmt die LeserInnen ernst, indem sie sie auch visuell fordert: Headlines mit radikalen Umbrüchen, Schrift im Anschnitt, Typografie kann zum Bild werden oder auch ein Foto zerschneiden. Dazu kommen typografische Vignetten (Buttons, Pfeile, Ausrufe- oder Fragezeichen) sowie übertrieben große Ziffern, die auf besondere Textinformationen hinweisen. Auf den zusätzlichen Einsatz von Farbe wird zugunsten von Klarheit und Schwarz-Weiß-Kontrast verzichtet.

Die Schriften.
Als auffällige Headline-Schrift hat Andreas Homann die im letzten Jahr entstandene Schrift »Chupada« des spanischen Typedesigners Josep Patau gewählt. Sie ist ein hervorragend ausgebauter Open-Type-Font, wobei im Magazin nur zwei Schnitte benutzt werden: »Chupada Bold« und »Chupada Demibold« für Größen unter 40 Punkt. Die »Chupada« ist eine betont schlanke, serifenlose Schrift, die zum einen ganz pragmatisch längere Headlines zulässt – gemäß einem ausdrücklichen Wunsch der Redaktion –, und zum anderen explizit stilbildend ist.

Gegen die kühle Strenge der »Chupada« wurde die verspielte »Sahara Bodoni« gesetzt, eine zeitgenössische Interpretation der klassischen »Bodoni Poster« durch den 2007 verstorbenen Schriftgestalter Bob Alonso, der diesen Font 1996 gezeichnet hat. Die »Sahara Bodoni« wird für kurze Headlines, Initialen sowie als Teaser (oft mit den sehr schönen Ziffern) von kurzen Infotexten verwendet. Sie soll den emotionalen Gegenpart zur »Chupada« bilden.

Für Auszeichnungen wie Vorspänne, Bildunterzeilen und kurze Infotexte kommt die sachliche, serifenlose Schrift »Vaud« zum Einsatz, ein echte Alternative zu Helvetica, Akzidenz Grotesk und Univers. Sie erschien in diesem Jahr, entwickelt von dem US-amerikanischen Designer Ian Lynam, und ist ein sehr gut durchdachter Open-Type-Font mit vielen Features.

Als Brotschrift für den Fließtext wurde auf die 1990 von Robert Slimbach entworfene »Minion« zurückgegriffen, eine moderne Renaissance-Antiqua, die eine gute Lesbarkeit aufweist und trotzdem sehr schmal läuft und ein ruhiges Schriftbild besitzt. Die verwendete Open-Type-Version »Minion Pro« ist zudem noch einmal gründlich verbessert und ausgebaut worden.






Das Logo.
Der SZENE HAMBURG-Logo wurde ebenfalls überarbeitet. Statt in einem schwarzen Kasten, steht die Typo nun auf Weiß. Das typische schräge »E« wurde beibehalten, die anderen Buchstaben neu gezeichnet. Das »Z« und das »N« korrespondieren durch die spitzen Ecken miteinander, das »E« wird durch die leicht verkürzte Mittellänge luftiger. Das »S« wirkt weich und rund und ist nahe an das »Z« gerückt ohne eine Ligatur zu bilden.
Das unter SZENE gesetzte »HAMBURG« ist ebenfalls neu gezeichnet. Der angeschnittene rote Punkt bündelt das Rot des alten Logos und macht den neuen Schriftzug zeichenhafter und definiert die Negativform optisch als Rechteck. Er wird im Heftinnern als Vignette wiederverwendet.
  
  

  
  
Links:
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