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Interview: Der Fotograf Henning Heide im Gespräch

Henning Heide ist Fotograf mit den Schwerpunkten People, Portrait und Landscape. Er arbeitet für unterschiedliche Magazine, Werbekunden und Agenturen in verschiedenen Teilen der Welt. Darüberhinaus hat er ein großes Interesse an freien Projekten und erarbeitet mit kreativen Partnern Bildideen und Fotostrecken ohne Kunden. Wir trafen ihn zum Gespräch.   

Henning, wie bist Du eigentlich zur Fotografie gekommen?
Mit ca. 15 Jahren habe ich meine Kumpels immer beim Skateboard fahren fotografiert – mit einer kleinen, analogen Kompaktknipse, bei der ich nichts einstellen konnte. Davon habe ich dann ein aufwendiges Fotobuch mit Collagen gebastelt und bin damit in meinem Umfeld hausieren gegangen. Da das Feedback, gemessen an der Kamera, überragend war, habe ich weitergemacht und bekam von meinem Dad seine Nikon F90. So fotografierte ich einige Zeit wirklich alles, was sich so vor mir bewegte oder eben auch nicht bewegte. Wirklich professioneller wurde es dann erst durch diverse Assistenzen bei unterschiedlichen Fotografen.

Wo liegen Deine fotografischen Schwerpunkte?
People, Portrait und Landscape. Weil ich genau diese Sachen liebe und denke, dass es nur dann funktionieren kann, wenn man etwas wirklich liebt. Andere Fotografen interessierten sich schon als Kinder für Autos oder Mode, da habe ich nicht so ein Herz für. Ich liebe Natur und Landschaften, besondere Plätze der Welt und auch besonders interessante Menschen. Mit Fotografie bildet man all das ja nicht nur ab, sondern verändert es und kann anderen Menschen einen Eindruck von den Orten oder Personen vermitteln, der die eigene Auffassung beinhaltet.



Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor?
Die Vorbereitung ist meistens der allergrößte und wichtigste Teil meines Fotografierens und bei den völlig unterschiedlichen Projekten und Jobs, versuche ich immer so viel wie möglich im Voraus dingfest zu machen. Das Organisieren von freien Projekten ist mir da genauso wichtig, ich giere nach Ideen und Menschen mit Visionen und Lust am Schaffen, liebe es mit denen in die Entwicklung zu gehen und Ungesehenes zu produzieren. Generell unterteilt meine Fotografie sich in zwei Bereiche: Die Bilder, die bei Jobs entstehen, die sehr genau geplant sind, wo alle Elemente vorher genau feststanden und auf der anderen Seite Bilder, die aus dem Moment und der Situation heraus entstanden. Letzteres passiert eher aus der Not heraus im Ausland, ist aber manchmal umso schöner.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Von allem um mich herum. Gerade vor einigen Tagen sah ich Hugo Cabret, einen großartigen Film von Martin Scorsese, das war zum Beispiel zwei Stunden Einfluss pur. Inspiration ziehe ich weniger aus aktuellen Werbekampagnen, sondern aus Musik, Kunst und Subkulturen. Das kann eine Saul Leiter Ausstellung sein oder ein Peter Hönnemann Buch; das kann das neue Muse Album sein oder eine Reportage über Mods; das kann Single Man von Tom Ford oder ein Interview mit Hedi Slimane sein; das kann ein Konzert von den Roots sein oder ein Blog über Industriedesign. Ich versuche die eigene Fotografie als Schwamm zu sehen und jeden Tag tröpfeln tausende Sachen als Einfluss drauf.

Was macht für Dich die Arbeit als Fotograf aus?
Dass ich jeden Tag mit unterschiedlichen Menschen, die ich zum ganz großen Teil nett finde und mir meistens aussuchen kann, zusammenarbeite. Und dass ich Orte sehe, die ich ohne Fotografie wahrscheinlich nie gesehen und so erlebt hätte. Ich liebe meine Arbeit auch deswegen, weil sie ein ständiger Fluss ist und sich immer alles weiterbewegt. Selbst für ältere Fotografen besteht nach 20 Jahren immer noch die Möglichkeit oder vielmehr die Notwendigkeit sich zu bewegen und neu zu erfinden. Nichts in der Fotografie ist vorherbestimmt und jeden Morgen können wir alle uns überlegen, welchen Weg wir gehen, was wir knipsen und wie wir kreativ sind. Jeder Tag ist dank Fotografie anders und das liebe ich.



Bitte vervollständige diesen Satz: Man sollte Henning Heide beauftragen, wenn …
… man seine Idee von Fotografie teilt. Durch das Überangebot an Fotografen hat die Persönlichkeit und die Außendarstellung einen größeren Platz eingenommen. Heute kommt es nicht nur auf das fotografische Können an, denn da ist vieles austausch- und ersetzbar. Vielmehr wird interessant, wie die Ausrichtung der Fotografie in der Gesamtheit aussieht und was ich damit transportieren möchte. Wenn jemand diese teilt und seine Arbeit genießt, mit mir und meinem Team Spaß haben möchte und zusammen (denn darauf kommt es auch an), schöne Bilder produzieren will, dann sollte er mich beauftragen.

Was schätzst Du am Standort Hamburg?
Hamburg ist für mich Heimat. Meine Freundin, mein Hund, meine Freunde, der FC St. Pauli – alle sind hier heimisch. In Hamburg gibt es zudem unzählige Agenturen, Firmen und Schaffende aus der Fotobranche – das inspiriert und motiviert. Aber über der gesamten Branche liegt mittlerweile eine Staubschicht. Leider herrscht an vielen Stellen kulturell, politisch und auf kreativer Ebene Stillstand und vieles wandert nach Berlin oder ins Ausland ab. Da hilft uns weder das stetige eigene Abfeiern als Stadt der Kreativität, noch das beharrliche Quengeln und der damit verbundene Umzug an andere Orte. Vielmehr liegt es an allen Kreativen sich besser zu verknüpfen und mutige Ideen zu entwickeln, anstatt immer Kosten zu scheuen und Risiken abzuwägen, sollte hier vielmehr Interesse entwickelt werden, neue Pfade zu gehen. Es gibt viel Potential und einen Haufen Ideen, immer wieder scheitert es aber an mangelnder Durchsetzungskraft, zu viel Angst oder hanseatischer Lethargie. Das Hamburg als Standort für Kreative nachgelassen hat, ist hausgemacht und ebenso sollte die Lösung hausintern gesucht werden.

Vielen Dank für das Gespräch.
  
  

  
  
Links:
→   www.henningheide.com
→   zum Onlineprofil
  
  

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  1. Simon

    Cooler Typ und sehr gute Arbeiten!

  2. Klasse Portraits.
    Aber lass sie doch nach Berlin gehen oder sonst wo hin. Hier gibts genug zu tun und es bleiben genügend tolle Leute in Hamburg und entdecken Neues. Mit altem Charme.

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